Donnerstag, 23. Januar 2020

Fischmarkt

Das erste Wochenende der begonnenen Dekade der Redaktion am heimatlichen Meer war einerseits die dringend notwendige Flucht aus dem vorherrschenden starken Harmattan geschuldet, andererseits sollte das neu erworbene Tauchmaterial bei geringem Seegang getestet werden. 

Zuvor fällt allerdings der, bereits befürchtete, Baubeginn der Hafenanlage ins Auge. Der neue Fischmarkt in Gomoah Fetteh hat hoffentlich für die Bewohner viele positive Seiten. Am entstehenden Anleger sollte der lokale Fang einfacherer, schneller und sicherer verladen werden können als bisher, wo die Fischerboote von zahllosen Händen durch die Brandungszone an den Strand gewuchtet werden mussten. Fraglich ist allerdings in welcher Größenordnung es für die einheimischen Fischer nach Fertigstellung noch etwas zu fangen geben wird. Zufällig hat sich das chinesische Konsortium, das die Anlage baut, sich mit deren Konstruktion gleichzeitig für 100 Jahre die Fischereirechte bis innerhalb der 3 Meilen Zone an die Küste heran gesichert. Nachdem die Fischbestände in den Gewässern weiter draußen bereits dramatisch reduziert -um nicht zu sagen ausgelöscht- wurden, müssen jetzt scheinbar neue Wege gegangen, sprich näher an der Küste gefischt werden. Die Einheimischen werden dabei vermutlich bald nichts mehr -außer dem zahlreich vorhandenen Plastikmüll- aus dem Meer ziehen. Übrigens gibt es zehn die Bauunternehmungen im ganzen Land, es scheint sich also für irgendwen zu lohnen. Ein weiteres Beispiel vom klassischen, altbewährten „Du bekommst heute diese Handvoll Glasperlen, unterschreibst hier und beraubst Dich damit lediglich jeglicher Zukunftschancen.“ Warum sollte auch ein bewährtes System geändert werden? 


In jedem Fall fällt dagegen auch die folglich mögliche Halbierung der Länge der Hauswelle der Redaktion nicht ins Gewicht. Je nachdem, wo der Wellenbrecher exakt gebaut wird, welche Länge er erreicht und wie sich entsprechend der Untergrund verändert, wird die Welle definitiv an Qualität einbüßen. Zum Glück ist im Moment der Harmattan noch so stark, dass die Tetrapods zum Bau der Mole nicht gegossen werden können. Damit gibt es immerhin noch eine gewisse Gnadenfrist für diesen Spot. Für die einheimischen Fischer gilt dies wohl eher nicht. Vermutlich dürfen die chinesischen Fangflotten hingegen bereits mit Vertragsunterzeichnung bis an die Küste heranfahren.






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