Sonntag, 22. Januar 2017

Linksabbieger

 Nachdem die halbe Welt rechts abbiegt, freut man sich dass zumindest hier in Accra einige nach links wollen. Zwar gehen sich dadurch die Praktikumsbesuche zu Beginn der Rückrunde etwas schleppend an, dafür lernt man allerdings die aktuelle Heimatstadt von einer neuen Seite und ganz neue Seiten von ihr kennen. Dauert zwar alles ein kleines bisschen, was keinen wundert der schonmal in einer afrikanischen Großstadt unterwegs war und was nicht ausschließlich an der noch immer gesperrten Zufahrtsstraße zur Schule dank Präsidentennachbarn liegt, aber auf die Schnelle erledigt sich in so einer Stadt grundsätzlich eher wenig. Oder auch nichts. Man kann oder muss für zwei lächerliche Betriebsbesuche und die dazu notwendige Strecke von knapp 20km gute 3.5 Stunden einplanen. Und zwar nicht in der Rush hour.

Andererseits ist Autofahren hier etwas gänzlich anderes. Treibt einem die Vorstellung in Deutschland so lange im Auto zu sitzen bereits grüne Punkte ins Gesicht, so wird einem hier niemals langweilig. Es ist stets für beste Bordunterhaltung gesorgt, sei es durch das völlig unberechenbare, wobei bei genauester Analyse -wenn auch mit vielen Variablen- doch berechenbaren Verhalten von 95% der Verkehrsteilnehmer oder durch das am Straßenrand jeden Tag ablaufende Farben-, Musik- und Szenenbildreiche Theaterstück. Es ist herrlich, kein Vergleich zu einer eintönigen Fahrt durch verschlafene dt. Dörfer oder Städte wo man von Müll-rausbringenden-Anwohnern als einzige Lebenszeichen auf der Straße argwöhnisch oder gar ängstlich als Eindringling beäugt wird. Hier lebt eine ganze Stadt auf der Straße; bunt, laut und öffentlich und es kann jedem Leser nur zum Besuch und dem Eintauchen in dieses Theaterstück geraten werden.
Dennoch freut man sich nach einer Woche Theaterstück wieder auf ein Wochenende mit Meeresrauschen. Beim zurückliegenden Exemplar wurde dabei glücklicherweise die Aussage eines befreundeten Expats „there are no waves in Harmattan“ widerlegt. So wird man zumindest kurzfristig vom Staub des Harmattan gereinigt.









Zum Afrikacup in Gabun wurde dann die Woche auch unser Fernseher zum 2. Mal, nach einem 20 Sekunden Test zum Dienstantritt, angeworfen. Und er funktioniert. Und Ghana steht im Achtelfinale. Und während dem Spiel läuft Werbung für ein Likör ohne Nachwirkungen. A propos: Danke an dieser Stelle an sämtliche Gratulanten! Wir haben es uns einigermaßen gut gehen lassen.




Sonntag, 8. Januar 2017

Rückrundenauftakt



Die spielfreie Zeit wurde zuletzt mit einigen Tagen Ferien im Harmattan von Gomoah Fetteh abgerundet. Damit hat sich der Kreis geschlossen, dort wo er Anfang Dezember begonnen hatte. Dazwischen liegt eine wunderbare Zeit am Kap und anschließend in der östlichen Volta Region, alles war sehr notwendig, sehr erholsam und surftechnisch sehr ansprechend.

Muizenberg
Weihnachten bei EnDo

Ab Morgen beginnt dann die pädagogische Rückrunde und die kommenden vier Wochen bringen direkt einige organisatorische Highlights mit sich, z.B. eine Klassenfahrt, ein Praktikum, ein paar Elterngespräche, einen Swim-Day und zwischendurch so etwas wie Zeugnisse zur 1. Halbzeit. Abgerundet wird diese Aussicht durch die Erkenntnis, dass der Privatwohnsitz des neuen Präsidenten zukünftig tatsächlich neben unserer Schule liegt. Die erste Folge davon waren einige freie Tage zusätzlich rund um den Wahltag, also grundsätzlich für uns kein Problem. Die aktuellere Folge davon ist nun eine weiträumige Absperrung dieser Wohngegend und einhergehend die Sperrung der Zufahrtsstraße zur Lehranstalt auf vorerst unbestimmte Zeit. Im Moment bleibt als einzige Verbindung zur Schule ein langer Umweg - mitten durchs echte Afrika, nämlich das Hinterland der Schule, dem eher ärmlichen Stadtviertel Nima- über eine Dirtroad par excellence. Man darf gespannt sein wie so manche Schülereltern darauf morgen früh reagieren...


Ansonsten erneut auf ein gutes Jahr 2o17 und den baldigen Aufstieg in den BIGTIMERS Club. Kann so schwierig nicht sein, ist schließlich nur ein Schritt zum Himmel! A small step for man usw...