Nachdem
die halbe Welt rechts abbiegt, freut man sich dass zumindest hier in Accra
einige nach links wollen. Zwar gehen sich dadurch die Praktikumsbesuche zu
Beginn der Rückrunde etwas schleppend an, dafür lernt man allerdings die aktuelle
Heimatstadt von einer neuen Seite und ganz neue Seiten von ihr kennen. Dauert zwar
alles ein kleines bisschen, was keinen wundert der schonmal in einer
afrikanischen Großstadt unterwegs war und was nicht ausschließlich an der noch
immer gesperrten Zufahrtsstraße zur Schule dank Präsidentennachbarn liegt, aber
auf die Schnelle erledigt sich in so einer Stadt grundsätzlich eher wenig. Oder
auch nichts. Man kann oder muss für zwei lächerliche Betriebsbesuche und die
dazu notwendige Strecke von knapp 20km gute 3.5 Stunden einplanen. Und zwar nicht
in der Rush hour.


Andererseits
ist Autofahren hier etwas gänzlich anderes. Treibt einem die Vorstellung in
Deutschland so lange im Auto zu sitzen bereits grüne Punkte ins Gesicht, so
wird einem hier niemals langweilig. Es ist stets für beste Bordunterhaltung gesorgt,
sei es durch das völlig unberechenbare, wobei bei genauester Analyse -wenn auch
mit vielen Variablen- doch berechenbaren Verhalten von 95% der
Verkehrsteilnehmer oder durch das am Straßenrand jeden Tag ablaufende Farben-,
Musik- und Szenenbildreiche Theaterstück. Es ist herrlich, kein Vergleich zu
einer eintönigen Fahrt durch verschlafene dt. Dörfer oder Städte wo man von
Müll-rausbringenden-Anwohnern als einzige Lebenszeichen auf der Straße
argwöhnisch oder gar ängstlich als Eindringling beäugt wird. Hier lebt eine
ganze Stadt auf der Straße; bunt, laut und öffentlich und es kann jedem Leser
nur zum Besuch und dem Eintauchen in dieses Theaterstück geraten werden.

Dennoch
freut man sich nach einer Woche Theaterstück wieder auf ein Wochenende mit
Meeresrauschen. Beim zurückliegenden Exemplar wurde dabei glücklicherweise die
Aussage eines befreundeten Expats „there are no waves in Harmattan“ widerlegt. So
wird man zumindest kurzfristig vom Staub des Harmattan gereinigt.
Zum Afrikacup in Gabun wurde dann die Woche auch unser Fernseher zum 2. Mal, nach einem 20 Sekunden Test zum Dienstantritt, angeworfen. Und er funktioniert. Und Ghana steht im Achtelfinale. Und während dem
Spiel läuft Werbung für ein Likör ohne Nachwirkungen. A propos: Danke an dieser
Stelle an sämtliche Gratulanten! Wir haben es uns einigermaßen gut gehen
lassen.
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